Obwohl sie zu den einflussreichsten britischen Bands der 1960er-Jahre zählten, standen die Yardbirds bisher noch nie im Mittelpunkt einer retrospektiven Dokumentation. Ihre Geschichte wurde zwar früher schon unter die Lupe genommen, entwickelte sich aber erst zu einer Dokumentation, als Nick Samwell-Smith, der Sohn des Bassisten Paul Samwell-Smith, sich an den Regisseur und DP James Tonkin von Hangman mit Sitz in London wandte.
„Als der ehemalige Gitarrist Jeff Beck im Jahr 2023 starb, verschwanden langsam die Möglichkeiten, mit Leuten zu sprechen, die entweder Bandmitglied waren oder der Band nahestanden. Auf einmal schien es einen dringenden Grund für den Film zu geben“, so Tonkin, Regisseur und Colorist des Projekts.
Da Nick Samwell-Smith eine enge Verbindung zu seinem Vater Paul und den ehemaligen Bandmitgliedern hatte, befand Hangman sich in einer einmaligen Lage, den Dokumentarfilm „The Yardbirds: In Their Own Words“ zu realisieren. Die Dreharbeiten begannen im Oktober 2023 im Rahmen einer Reise nach Frankreich. Dort sollten Paul Samwell-Smith und Schlagzeuger Jim McCarty gefilmt werden, gefolgt von einem Interview mit dem ehemaligen Gitarristen Jimmy Page Anfang 2024.
Für einen Promo-Teaser dienten als Alternative zunächst hochauflösende Kinokameras und Leica R Festbrennweiten. „Obwohl ich mit den Bildern zufrieden war, wusste ich, dass mein Produktionsablauf für weitere Interviews optimiert werden musste. Als das Projekt Mitte 2024 dann grünes Licht bekam, musste ich mich damit befassen, welches Kamerapaket für die Doku am besten sein würde“, sagte Tonkin.
Um der Verfilmung des Vermächtnisses gerecht zu werden, waren Interviews mit den Bandmitgliedern selbst oder mit denen Leuten nötig, die eine enge Verbindung mit ihnen hatten oder von ihnen beeinflusst wurden. Dafür brauchte Tonkin eine Kamera, die sowohl atemberaubende Bilder als auch einen effizienten Produktions-Workflow meistern würde.
„Am Drehort war unsere Zeit begrenzt“, erklärt Tonkin. „Entsprechend schnell mussten wir für die Interviews in Hotels oder Wohnungen die Beleuchtung und den Ton vorbereiten können und dann für die Kompositionen aus den Interviews die besten Bilder mit cineastischem Flair aussuchen.“
„Die URSA Cine 12K LF war die einzige Kamera, mit der ich mich bei diesem Workflow wirklich wohl fühlte. Das galt besonders dann, wenn ich den Ton direkt in der Kamera aufnahm und für ein einziges Interview häufig zwei bis drei Stunden am Stück filmen musste“, sagte er. „Mit höchstmöglicher Auflösung zu filmen bedeutete, dass ich genügend Spielraum für Totalen und Nahaufnahmen hatte und so zwei Shots mit einem Kamera-Setup bekam.“
Er fügte hinzu: „Ich habe mehrere Tests durchgeführt. Am meisten beeindruckten mich der breite Dynamikumfang der URSA Cine 12K und die unglaublich scharfen Bilder des neuen Großformatsensors. Für das Projekt war die Schärfe entscheidend. Denn es war klar, dass ich die 12K-Bilder für die Nahaufnahmen in den Interviews um gut 200 Prozent vergrößern würde.“
Für eine nur aus Tonkin und dem ausführenden Produzenten bestehende Crew war Effizienz maßgebend. Die begrenzte Aufbauzeit bedeutete, dass man für Interviews auf eine einzige Kamera zählen können musste, um von jeder Aufnahme zu profitieren. Da sich die Produktion über Großbritannien, Europa und die USA erstreckte, wollten Reisen und Ausrüstung sorgfältig geplant sein.
Für einen straffen Workflow erstellte man am Set Proxys, die dann sofort zum Transkribieren, Schneiden und Überarbeiten an die Postproduktion gehen konnten. Der Zugriff auf Inhalt und Bildmaterial aus früheren Interviews gewährleistete eine einheitliche Gestaltung und Farbtönung. Mithilfe der Standbild-Galerie in DaVinci Resolve Studio konnte man über das ganze Projekt hinweg visuell kohärent vorgehen. Sobald der Hauptdreh begann, kamen dieselben Beleuchtungsansätze und Objektive zum Einsatz, was eine einheitliche Ästhetik sicherte.
„Als Colorist habe ich Vorteile, was das Filmen und Beleuchten angeht. Denn ich weiß, was mit einem Bild möglich ist, wo ich Lichter und Schatten bewahren muss und was ich in der Post aus den RAW-Bildern herausholen kann“, so Tonkin. „Beim Filmen der Interviews habe ich großzügig kadriert, um die Locations miteinzubeziehen und optierte schließlich für ein Seitenverhältnis von 2,35:1. Ich glaube, dass dieser breitere Bildausschnitt subtil beeinflusst, wie das Publikum die Bilder wahrnimmt.“
Ein einfacher Beleuchtungsansatz aus einer einzigen Quelle als Hauptbeleuchtung half, das Motiv zu modellieren. Zusätzlich verliehen Practicals oder natürliches Tageslicht durch ein Fenster dem Ganzen noch etwas Tiefe. Während der Grading-, Online- und Finishing-Phase nahm DaVinci Resolve Studio eine entscheidende Rolle ein. „Zum Anpassen von Vignetten griff ich zu Maskierungstechniken und stellte bestimmte Bereiche frei, um den Fokus im Bild subtil zu verschieben. Zudem diente das Film-Look-Creator-Plugin immer wieder zum Hinzufügen von Lichthöfen und leichter Körnung sowie zum Gestalten des gesamten Farb-Looks“, erklärte Tonkin.
Ein Großteil der Doku bestand aus Archivbildern, deren Auflösung meist zu niedrig war, um sie ohne Upscaling zu benutzen. „Der mehrwöchige Upcaling-Prozess reduzierte Rauschen und Artefakte und erhöhte zugleich die Auflösung. Erst als ich mit der Auflösung zufrieden war, machte ich mich an die Nachbearbeitung des Filmmaterials“, so Tonkin.
Hangman lieferte schließlich eine spielfilmlange, 90-minütige Dokumentation in 4K SDR an Sky Arts. „Ich bin froh, dass wir uns auf die volle Spielfilmlänge einigen konnten, da die Geschichte der Band nicht ohne weiteres in einen einstündigen Film gepasst hätte“, so Tonkin.
Rückblickend beschreibt Tonkin die URSA Cine 12K LF als die ideale Wahl für das Projekt. „Keine andere Kamera hätte mir eine so hohe Auflösung gegeben und es dabei ermöglicht, aus demselben Einzelbild so bequem zwei unterschiedliche Bilder herauszuholen. Entscheidend war auch, dass wir über lange Zeiträume hinweg durchgehende Interviews aufzeichnen konnten. Vor allem aber schaffte es die Kamera, die Zuschauer mit atemberaubenden Bildern in die Wohnungen und das Umfeld der Mitwirkenden zu versetzen. Die ideale Kamerawahl zum Erzählen dieser Story“, fügte er zum Schluss hinzu.