Broadcast Solutions hat DMC Production zwei neue Übertragungswagen ausgeliefert, die ein neues Konzept für Außenproduktionen einführen. Die Fahrzeuge sind die ersten ihrer Art, die auf einer vollständig softwaredefinierten Architektur basieren, bei der die gesamte Signalverarbeitung und das Management über die AMPP-Plattform von Grass Valley erfolgen.
Das gemeinsam von beiden Unternehmen entwickelte Projekt setzt auf ein Modell, das DMC als „Reverse Remote Production“ bezeichnet. Im Gegensatz zur klassischen Remote-Produktion, bei der sämtliche vor Ort erfassten Signale an ein Produktionszentrum übertragen werden, erfolgt bei diesem Konzept die gesamte Videoverarbeitung direkt im Ü-Wagen, während Regisseure und Operatoren sämtliche Systeme aus der Ferne über das Produktionszentrum steuern.
Nach Angaben von DMC reduziert diese Architektur den erforderlichen Bandbreitenbedarf erheblich und senkt gleichzeitig die Anforderungen an Verbindungsstabilität und Latenz.
„Wir stehen an der Spitze der Remote-Produktion und nutzen die betrieblichen, ökologischen und wirtschaftlichen Vorteile, unsere Produktionsteams an unseren Standorten zu belassen, anstatt sie zu den Veranstaltungen zu entsenden“, erklärte Jens Envall, Innovationsdirektor von DMC Production. „Gleichzeitig haben wir erkannt, dass der Transport sämtlicher Signale in einen Regieraum eine enorme Bandbreite, äußerst stabile Verbindungen und eine präzise Kontrolle der Latenz erfordert.“
Aus diesem Bedarf entstand das neue Produktionskonzept.
„Wir entwickelten ein Modell, das wir Reverse Remote Production nennen. Dabei finden sämtliche Umschalt- und Verarbeitungsprozesse im Ü-Wagen statt, während die Steuerung im Produktionszentrum verbleibt“, erläuterte Envall. „Als wir die Idee dem Team von Broadcast Solutions vorstellten, verstanden sie das Konzept sofort. Gemeinsam gelangten wir innerhalb kurzer Zeit von den ersten Entwürfen zu zwei Fahrzeugen, die bereits bei Spielen der dritten deutschen Fußballliga sowie ATP-Turnieren in Schweden im Einsatz sind.“
Die neuen Fahrzeuge wurden so konzipiert, dass sie drei Funktionen in einem kompakten Ü-Wagen vereinen. Neben einem Arbeitsbereich für lokale Produktionen beherbergt das Fahrzeug ein Rechenzentrum, in dem die AMPP-Plattform und die GRID-Netzwerkinfrastruktur betrieben werden. Trotz dieser Ausstattung bleibt ausreichend Platz für Kameras, Objektive, Stative und weiteres Produktionsequipment.
Nach Angaben von Broadcast Solutions macht diese Architektur ein zusätzliches Begleitfahrzeug für den Transport der Ausrüstung überflüssig und ersetzt damit zwei herkömmliche Lkw durch ein einziges Fahrzeug. Neben geringeren Betriebskosten reduziert dies auch den CO₂-Ausstoß erheblich.
Ein weiteres Merkmal ist der äußerst geringe Bandbreitenbedarf. Das gesamte System benötigt lediglich etwa 100 Mbit/s Internetbandbreite – deutlich weniger als herkömmliche Remote-Produktionslösungen.
Jeder Ü-Wagen unterstützt bis zu 16 Grass Valley LDX98-Kameras, die ebenfalls von Broadcast Solutions im Rahmen des Projekts geliefert wurden. Derzeit arbeiten die Fahrzeuge mit nativen 1080p-Signalen in SDR und HDR und sind bereits für zukünftige 4K-Ultra-HD-Produktionen vorbereitet.
Die interne Infrastruktur basiert auf redundanten Cisco-Routern für das Signalmanagement. Die Verarbeitung übernehmen zwei Grass Valley AMPP-Server mit NVIDIA-Blackwell-GPUs und jeweils 11 TB lokalem Speicher, die Replay- und Zeitlupenfunktionen bereitstellen. Für die Audiomischung kommt ein Calrec Argo M36-Mischpult zum Einsatz.
Für die Kommunikation zwischen Ü-Wagen und Produktionszentrum werden rund 25 Mbit/s für Fernsteuerung und Datenaustausch genutzt. Weitere 25 Mbit/s entfallen auf das Monitoring über WebRTC-Streams. Das Hauptprogrammsignal wird in der Regel über einen SRT-Stream mit etwa 25 Mbit/s übertragen, wodurch innerhalb einer öffentlichen 100-Mbit/s-Verbindung noch erhebliche Bandbreitenreserven verbleiben.
„Dieses Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit DMC entwickelt und war eine hervorragende Erfahrung“, sagte Zlatan Gavran, COO von Broadcast Solutions. „DMC trat mit der Idee der Reverse Remote Production an uns heran, und gemeinsam haben wir dieses Konzept mithilfe der AMPP-Plattform in die Praxis umgesetzt.“
„Das Ergebnis ist etwas völlig Neues auf dem Markt“, fuhr Gavran fort. „Es handelt sich um einen echten softwaredefinierten Ü-Wagen, der Produktionen auf höchstem Niveau ermöglicht und von jedem Ort der Welt aus gesteuert werden kann. Trotz modernster Technologien wie dem GRID-Netzwerk und vollständig softwarebasierter Werkzeuge bleibt die Bedienung für Ingenieure, Operatoren und Regisseure vertraut.“
„Diese Lösung vereint die wichtigsten Vorteile der Remote-Produktion – insbesondere die Verringerung von Reisen und Fahrzeugbewegungen, wodurch die Umweltbelastung reduziert wird. Gleichzeitig ermöglicht sie jederzeit einen vollständig lokalen Betrieb, wenn dies erforderlich ist. Diese Ü-Wagen sind nicht nur für Sportübertragungen gedacht, sondern auch für Außenproduktionen, bei denen der Regisseur lieber direkt am Produktionsort arbeiten möchte“, schloss er.