Calrec hat seine Beteiligung am Remote-Produktionsprojekt von DMC Production bekannt gegeben, das kürzlich die Ü-Wagen AR 1 und AR 2 vorgestellt hat. Die Fahrzeuge basieren auf einem neuartigen softwaredefinierten Produktionskonzept, bei dem die gesamte kritische Signalverarbeitung direkt am Veranstaltungsort erfolgt, während die Bedienung aus der Ferne übernommen wird.
Die in Zusammenarbeit mit Grass Valley entwickelten und von Broadcast Solutions gebauten Fahrzeuge nutzen die AMPP-Plattform für Videobearbeitung, Replay, Aufzeichnung, Monitoring, Signalumschaltung und Audiomischung.
Im Zentrum der Infrastruktur steht die virtualisierte Audio-Processing-Engine **ImPulseV** von Calrec, die die traditionelle Architektur mit umfangreicher Hardware durch eine vollständig softwaredefinierte Umgebung ersetzt. Anstatt sämtliche Signale an ein zentrales Produktionszentrum zu übertragen, verbleibt die Verarbeitung direkt im Ü-Wagen am Veranstaltungsort. Über das Netzwerk werden lediglich die für Fernsteuerung und Verteilung erforderlichen Signale übertragen, wodurch der benötigte Bandbreitenbedarf erheblich reduziert wird.
Nach Angaben von DMC Production kann eine groß angelegte Mehrkamera-Produktion mit einer Internetverbindung von lediglich 100 Mbit/s realisiert werden.
In dieser Umgebung spielt die Audioinfrastruktur eine entscheidende Rolle. Gemeinsam mit Calrec entwickelte das Unternehmen ein Audionetzwerk, das sämtliche Geräte mit geringer Latenz verbindet und den Bedienern gleichzeitig eine vertraute Arbeitsumgebung für Live-Produktionen bietet.
„Unser Ziel ist es nicht, nur ein oder zwei Ü-Wagen zu bauen, sondern ein wiederholbares und skalierbares Produktionskonzept zu schaffen, bei dem Software, IP-Konnektivität und professionelle Bedienoberflächen in einer praxisnahen Live-Produktionsumgebung zusammenarbeiten“, erklärte Jens Envall, Innovationsdirektor von DMC Production.
Das Projekt zählt zudem zu den ersten Anwendungen der im April 2026 angekündigten Technologiepartnerschaft zwischen Calrec und Grass Valley. In dieser ersten Phase setzt DMC den ImPulse1-Processing-Core ein, während auf die vollständig in die AMPP-Plattform integrierte Version des ImPulseV gewartet wird.
Neben den Ü-Wagen installierte DMC in seinem Remote-Produktionszentrum in München ein **Calrec Argo M**-Audiomischpult mit 48 Fadern. Der gesamte Betrieb wird über die **True Control 2.0**-Technologie gesteuert, die eine Fernbedienung der Argo-M-Oberfläche und der in den Ü-Wagen installierten Audioinfrastruktur unabhängig vom jeweiligen Standort ermöglicht.
Dadurch kann der Toningenieur die komplette Audiomischung vom Produktionszentrum aus durchführen, während die Signalverarbeitung weiterhin im Ü-Wagen am Veranstaltungsort erfolgt. Jeder Ü-Wagen verfügt außerdem über ein **Calrec Type R**-System für lokales Monitoring und das Mischen von In-Ear-Rückwegen sowie über eine vollständig IP-basierte Ein- und Ausgangsinfrastruktur.
Laut Envall fiel die Wahl auf die Argo M, weil sie das für Sportübertragungen und komplexe Live-Produktionen erforderliche Maß an Kontrolle bietet.
„Physische Fader, die Anordnung der Bedienelemente und die Bedienlogik sind bei Sportübertragungen und dynamischen Live-Events von entscheidender Bedeutung“, erklärte er. „True Control 2.0 ist ebenfalls unverzichtbar, da sich damit die gesamte Audioumgebung aus der Ferne steuern lässt und gleichzeitig ein vertrauter und reaktionsschneller Workflow für den Toningenieur erhalten bleibt. Das ist einer der Schlüsselfaktoren, die dieses Produktionsmodell überhaupt praktikabel machen.“
Die Flexibilität der Argo M entspricht zugleich der Vielfalt der Produktionen von DMC, die Sportveranstaltungen, Studiosendungen, Unterhaltungsshows und Spezialproduktionen umfasst.
„Die Anforderungen des Marktes verändern sich sehr schnell“, betonte Envall. „Unsere Kunden erwarten Produktionen auf höchstem Niveau, verlangen aber gleichzeitig mehr Flexibilität, kürzere Vorbereitungszeiten und eine effizientere Nutzung der verfügbaren Ressourcen.“
„Viele Rundfunkanstalten und Rechteinhaber denken heute nicht mehr nur an ein einziges Hauptsignal. Sie benötigen Clean Feeds, ISO-Feeds, Highlight-Clips, Inhalte für soziale Medien, Signale für Videowände, Versionen für OTT-Plattformen sowie unterschiedliche Audio- und Kommentarspuren. Da der Ü-Wagen diese Signale direkt vor Ort erzeugen kann, verfügen wir über eine wesentlich flexiblere Infrastruktur, um Inhalte gleichzeitig für Fernsehen, Streaming, soziale Netzwerke, Sportarenen und Partnerplattformen bereitzustellen“, schloss er.